Im Heimatbuch Erkeln von 2006* werden viele historische und zeitgemäße Aspekte beleuchtet. Die Entwicklung des Ortes ist bemerkenswert und beispielhaft. Im Kapitel Landwirtschaft werden auch vier Betriebe vorgestellt. Heimatfreunde haben für die Landwirtschaft des Ortes umfangreiche Vorarbeiten gemacht, Listen erstellt und Dokumente zusammengetragen.

*Wittig, Michael (2006), Erkeln 856-2006, Hrg. Die Erkelner Vereine, Druckerei und Verlag Hermann Bösmann GmbH Detmold

 

Dem Kapitel Gewerbe und Landwirtschaft sind diese Themen entnommen:

Im Kap. „Gewerbe“ (S. 275) wird aus Dorfchronik von 1989 berichtet über die Ansiedlung von Schäfermeister Karl-Heinz Nolte nach Erkeln. Am Winkhäuser Weg entsteht ein Schafstall für ca. 500 Tiere und 1995 kommt auch das Wohnhaus der Familie hinzu. Denn die Schafhaltung hat in Erkeln lange Tradition, steht da, weil zur Gemarkung zahlreiche Flächen gehören, die heute als Magerrasen eingestuft werden und nur über Schafe nutzbar sind und somit als offene Flächen erhalten werden können. Er bewirtschaftet mit seiner Herde etwas 100 ha Grünlandflächen um Erkeln. Alljährlich feiert Pastor Siegfried Schink die Lämmerweihe an Ostern mit den Kommunionskindern (S. 282). Der Betrieb ist mittlerweile (2015) ausgelaufen und die Flächen werden vom Schafbetrieb Arndt aus Brenkhausen mit Schafen  bewirtschaftet.   


Eine Aufstellung über das Handwerk im Jahr 1972 (S. 283) nennt auch die Zahl der rein landwirtschaftlichen Betriebe mit zwanzig! Im Jahr 2004 haben alle drei Gaststätten und die letzten Bäcker aufgegeben.


Das Kap. „Landwirtschaft“ (S. 284) beginnt mit der exemplarischen Beschreibung eines große westfälischen Hofes durch das Ministerium für Landwirtschaft aus dem Jahr 1958. Es geht um den Hof Domenikus Hoischen (bis 1939 August Rustemeyer). Die ausführliche Betriebsverfassung berichtet von 6 Kindern, 7 Männern und einigen Frauen in der Außen- und Innenwirtschaft einschließlich, wo sie wohnen und wie sie bezahlt werden. Von den 90 ha LF sind 26 ha Grünland, das einer Herde von 30 Milchkühen als Futtergrundlage dient. Für die Anspannung werden 5 Pferde gehalten. Der Betrieb hatte bereits 2 Schlepper (22 und 45 PS). Anmerkung: Sohn August Hoischen (1951-96) bewirtschaftet den Betrieb viehlos und stirbt mit Mitte 50. Die Flächen werden verpachtet und der Betrieb endet.

Es folgt eine Auslistung von Betrieben mit Kühen aus der Zeit um 1950-60. Es sind 23 Betriebe mit mehr 8 Kühen und 57 mit 5 und weniger Kühen, insgesamt 80 Betriebe. Bis 1985 haben 45 aufgegeben, im Jahr 1986 folgen 19 weitere und der Ort ist praktisch "kuhfrei". Danach gab es noch 1 bis 2 Betriebe mit jeweils einer Kuh für den Eigenbedarf.


 

1960 wird das landwirtschaftliche Lohnunternehmern Hugo Kleibrink gegründet. Mit der Dreschmaschine fing es an und es folgte eine Spezialisierung für Transporte von landwirtschaftlichen und anderen Gütern.

 

In der Tabelle von 1955 sind 34 Betriebe verzeichnet, die ca. 30 Morgen (7 ha) bewirtschaften. Diese Hektarzahl war lange Zeit ausreichende Grundlage für den Hof einer Familie.


 

Vorgestellt wird auch noch der Betrieb Welling (S. 292) unter dem Aspekt Strukturwandel. Paul Welling hat 1974 den Betrieb von seinem Vater übernommen und bewirtschaftet 2006 mit Zupachtungen 250 ha. Dazu gehören die beiden Schweineställe im Märsch an der Grenze nach Hembsen. Ein teil der Flächen liegt im Wasserschutzgebiet und erfordert Einschränkungen der Bewirtschaftung. Mit Ehefrau Cornelia (Hofladen für Fleisch und Wurst ab 1981), Sohn Christian und dem Mitarbeiter Christoph Hartmann werden auch Lohnmaschinen für die Getreide- und Rübenernte eingesetzt.


 

Es folgt ein langer Abschnitt über die gescheiterte Flurbereinigung von 1972, die nicht stattfand, weil in einer turbulenten Versammlung die Mehrheit sich dagegen abstimmte. Gründe dafür waren der neuen Trasse der B 64, die eingetretenen Flurzersplitterungen und die Notwendigkeit von einigen Dränierungen. Das gesamte Verfahrensgebiet sollte mit dem Anteil Erkeln (800 ha) 4.000 ha betragen. Auch eine günstige finanzielle Belastung wird dargelegt. Doch bei dem Punkt „Kosten der Flurbereinigung“ kochten die Erfahrungen der vergangenen Flurbereinigungen hoch und die musste die Versammlung ergebnislos abgebrochen. Zwei Familien sollen sich beide er Separation von 1867 besondere Vorteile verschafft haben, was noch 100 Jahre später so im Bewusstsein des Dorfes saß, dass es zu keiner neuen Flurbereinigung kommen konnte.