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Kennzahlen und Feldflur Brakel-Kernstadt (2015)

Höhe Fläche Einwohner Feldflur
m ha  Anzahl LF Acker Grünland
135 5600 9874

2193

1793

400

 

Lage

Brakel liegt in einem breiten Becken am Zusammenfluss der Flüsse Aa und Brucht in die Nethe. Auf terrassenartigen Flächen ist viel Löss abgelagert worden, was für gute Bodenfruchtbarkeit sorgt. Die Höhenlageliegt zwischen 140 und 240 m.

 

Boden

Die Bodenbonität bewegt sich zwischen 30 und über 80. Ein Reichsmusterstück der Bodenschätzung lag im Königsfeld (Wasrburger Straße) und war mit 90 Punkten eingestuft. Die meisten Betriebe kommen im Schnitt auf 50-60 Bodenpunkte.

 
Landwirtschaftliche Fläche

Bedingt durch einen hohen Anteil an Überschwemmungsflächen und schwierigen Hanglagen liegt der Grünlandanteil bei 18 Prozent und damit über dem Durchschnitt.

 

Bei der flächenhaften Überbauung insbesondere für Wohnen und Industrie sind viel Flächen der Landwirtschaft überbaut worden: Nieheimer Straße, Heinfelder Weg, Brunneallee, Driburger Straße , Galgengrund, Weitlandsweg . Diese Stadtentwicklung hat bisher einige 100 ha LF in Anspruch genommen. Für Industrie und Gewerbe wurden im Königsfeld entlang der Warburger Straße alles zugebaut und ab etwa 2000 geht es  auf der anderen Seite mit dem Industriegebiet "Brakel West/Riesel" weiter.

 

Hier eine Beschreibung der vier Teilregionen

 

Brakel-Ost: Das sind die Fluren Märsch, Sudheim, Ostheim bis Brunnenallee. In diesem Teil gibt es auch mehrere gute Ackerflächen, aber auch die Nethewiesen und steiniges Land im Bereich Sudheimer Berg und Lobbenberg.

 

Modexen: Das Gebiet Modexen umfasst das Plateau vom Schüttberg bis zum Modexer Wald. Hier gibt es überwiegend gute und mittlere Ackerböden, aber auch schlechte im Hangbereich. Der Name Modexen geht auf eine untergegangene Siedlung zurück. Es gibt den Hof Modexen und die Modexer Warte. Das ist ein Wartturm der mittelalterlichen Landwehr.- Die Flurbezeichnungen sind: Schüttberg, Hembser Berg und Modexen. Auf den schwach geneigten Plateaus gibt es gut Böden, aber aber auch recht wechselhafte Flächen.

 

Helle: Das Gebiet liegt im Tal des Hakesbaches, der in Hainhausen entspringt und am Wall (Neuistadt) in die Brucht mündet. Alles, was vor der Schwarzen Brücke liegt, gehört zur Helle. Hier gibt es eher mittlere Standorte Acker und mehr Grünland an den Hängen und im Talbereich. Die Flurbezeichnungen sind Heineberg (teilweise), Helle, Holster Berg, dazu Teile Hainhausen.

 

Brakel-West: Das ist der Bereich westlich der Ostwestfalenstraße. Dort befinden sich überwiegend sehr gute Flächen (Annenfeld, Westerlindenfeld), die naturgemäß in den Bereichen Sauernfeld und zu den Waldrändern hin schlechter werden.

 

 Zur Geschichte

Brakel, gelegen an wichtigen mittelalterlichen Fernwegen, wurde um 800 nach den Sachsenkriegen unter Karl dem Großen Zentralort. Es gab wohl einen Haupthof und einen Hof bzw. Ansiedlungen in Ostheim und Sudheim. Der Königshof konnte noch nicht ermittelt werden, die Flur "Königsfeld" deutet auf die mögliche Lage hin.   

Die Feldflur war jahrhunderte nach Meierschaften gegliedert. Die Genossen mussten sich um Wege und Stege dort selbst kümmern. Der Vorsteher war der Dechant. Die Gebiete der Meierschaften gingen auf auf die wüst gefallenen Orte zurück wie Ostheim, Sudheim, Holthusen, Flechtheim, Sebeke, Modexen usw. Erst mit der Separation wurden die Meierschaften Ende des 19. Jahrhunderts aufgelöst.

1966 wurde in Brakel eine Nato-Einheit Artillerie stationiert. Für die 2.000 Belgier (Soldaten und Angehörige) entstand ein großes Kasernenglände und eine Hochhaus-Wohnsiedlung daneben im Osten der Stadt im Gebiet Lange Wanne (heute: Lütkerlinde). Inwieweit landwirtschaftliche Strukturmaßnahmen damit in Verbindung stehen, kann im Moment nicht gesagt werden. 

Das große Flurbereinigungsverfahren von 1972

Dieses Verfahren (1972-90) prägte Stadtenwicklung, Verkehrsnetz (B 64 Brakel-Hembsen) und Feldflur ganz entscheidend. Es war eines der großen Verfahren mit einem integrierten Ansatz: Nicht nur die Agrarstruktur, sondern auch die Verkehrs- und Siedlungsstruktur mussten geordnet werden.

760 Teilnehmer (Grundstückseigentümer), 2763 ha Planungsgebiet, darunter 2.410 ha Landwirtschaftliche Fläche und ein Straßenkorridor ca. 6 km langer neuer Straßenkorridor, das sind die wichtigsten Kenndaten dazu.

"Von der Ackerbürgerstadt zur modernen Stadt", so beschreibt der langjährige Leiter der Landwirtschaftskammer, Dr. Albert König, diesen Vorgang in einer Veröffentlichung (1998, Festschrift Dr. Engemann). Auch war klar geworden, dass es einer strukturellen Nachbesserung bedurfte bei jenen Betrieben, die 1955 bis 1965 ausgesiedelt waren (7 Betriebe). In dem Verfahren wurden 50 ha für öffentliche Maßnahmen einschließlich Naturschutz und Erholung bereit gestellt. Dabei würdigt der Genannte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Brakel (S. 108): "Dabei ist festzustellen, dass die Verwaltrung der Stadt Brakel in allen Stadien der Duchführung der Stadtentwicklung die Interessen der Landwirte nie außer acht gelassen hat. Sie hate es verstanden mit den betroffenen Landwirten, mit den beteiligten Behörden (...) den für eine gute Arbeit notwendigen Konsens zu schaffen". Man wünscht sich, dass dieses Credo für alle Zeiten gelten möge. Aber heute stehen Einzelinteressen noch stärker im Vordergrund, sodass eine Konsens nicht immer gelingt. Dennoch ist die Stadt sehr bemühlt, den Flächen für die Landwirtschaft bereits zu halten, damit die Stadtentwicklung weiter gehen kann. 

Die Molkerei Brakel (Am Bahndamm 8) wurde 1891 als Genossenschaftsmolkerei gegründet. Seit 1919 ist sie im Besitz der Familie Schmid (zuletzt Hans-Hubertus Schmid). Sie ist 2010 erloschen und wurde 2013 abgerissen. 2014 wurde der Grundstein für eine Wohn- und Geschäftsviertel gelegt mit einem Bauvolumen von 5,5 Mio. Euro.

Kulturgeschichte

Brakel war im Mittelalter von einer Landwehr umgeben. Davon zeugt die Modexer Warte im Osten der Stadt. Aus alte Handelswege wie der Postweg lassen sich noch verfolgen. Es gab im 19. Jahrhundert noch große Gemeinschaftsflächen, die erst mit der Separation in private Hände aufgeteilt worden sind.