Allgemeines
Brakel wird von Aa, Oese, Brucht und Nethe durchflossen, die allgemein eine gute Wasserführung haben. An allen Gewässern befanden sich Wassermühlen, die in der Regel als Schrot- und Mahlmühlen für die Getreideverarbeitung dienten. Das Mahlen ist ein recht aufwändiges Verfahren, in dem mehrere Bearbeitungsgänge notwendig sind. Das Gleich gilt auch für die Gewinung von Öl.

Ab 1900 wurden einige Mühlen benutzt für den Antrieb von Maschinen für Sägenwerk, Schreinereimaschinen und den Antrieb von Dreschmaschinen. Die Mühlen waren teilweise bis um1960 in Betrieb und wurden dann in der Regel zu Wasserkraftwerken für die Stromerzeugung, mit Turbine und Generator ausgestattet. Die Elektrifizierung begann bereits um 1920. 

Geschichte und Mühlenrecht

Einfache Handmühlen waren seit der Römerzeit in Gebrauch. Zwischen zwei Mahlsteinen, dem Läuferstein oben und em Boden- oder Lagerstein unten, wurde das Korn gemahlen. Mühlen sind seit dem Mittelalter verbreitet. Sie dienen zur Versorung der Orte mit Mühlenprodukten wie Mehl und Kleie (Tierfutter).Die Mühlen hatten in der Regel auch Land und Grünland für eine kleine Landwirtschaft dabei mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Enten usw.

Außerdem war eine Mühle teilweise verbunden mit dem Mühlenzwang (Verpflichtung, hier mahlen zu lassen) und der Mühlenbann regelte, dass keine andere Mühle sich hier ansiedeln konnte.

Das Mühlenrecht lag bie dem Grundherren, er vergab die Konzessionen und verlangte eine jährliche Pacht, die abhäbngig war von der Leistungsfähigkeit der Anlage.

Die Bauern lieferten Roggen, Weizen, Gerste und Hafer und bekamen entsprechende Mehlkontingente zurück. Bezahlt wurde häufig nicht in bar, sondern der Müller behielt 1/16 der Mehlmenge ein. 

Ab 1810 fiel das Mühlenmonopol (Einführung der Gewerbefreiheit) und die Mühlen wurden an Müller verkauft. Auch der ab um 1800 starke Kartoffelanbau trug zu einem Mühlensterben bei. Im 19. Jahrhundert entstanden erste industrielle Mühlenbetriebe, aber die die lokalen Mühlen liefen teilweise noch bis um1960. Viele stellten um auf die Stromerzeugung durch eine Turbine.    

Regelungen für Zulauf
Der Müller hatte das Recht, den Zulauf des Wassers über Stauwehre, usw. und einen Mühlengraben zu optimieren. Auch bei der Gestaltung des Abflusses des Wasserts hatte er Sonderbefugnisse. 

Mühlen in Brakel, Orte und Name

In Brakel und mehreren Orten waren Mühlenbetriebe vorhanden. Und noch heute dolumentieren die Gebäude die alte Mühlentradtion. Die Mühlen werden hier aufgelistet und sind im Kapitel "Betriebe" in den jeweiligen Orten und dann über "weitere Betriebe" zu finden.

Brakel-Stadt

Bredenmühle (Hinnenburger Mühle)

Mittelmühle Königstraße (Hinnenburger Mühle, dann Stadt Brakel)

Mühle Ostheimer Straße (Spitalmühle, Ostmer/Ostmar-Mühle, Hinnenburger Mühle, dann Stadt Brakel)

 
Hinnenburg

Kunstmühle (Hinnenburger Mühle)

 

Beller                                 

Nethe-Mühle Beller (Runge, Hinnenburger Mühle)                                                               

 

Bellersen

Oldentruper Mühle (Abbenburger Mühle)
Mühle Mühlengrund Privatmühle bis ca. 1955 (Künneke) 

 

Erkeln

Nethemühle (Hinnenburger Mühle)

 

Gehrden

Klostermühle (an der Oese)

 

Hembsen

 

Istrup

Aa-Mühle Istrup (Gieffers, Hinnenburger Mühle)

 

Rheder

 Nethe-Mühle Rheder (von Mengersen)  

Riesel

 

 Privat-Mühle 1856-1969  

Siddessen

Nethe-Mühle Siddessen (Schwarzendahl, Klostermühle)

Kretzers Mühle (an der Oese)

 

 

Literatur, Hinweise

Franz Mürmann, Die der Herrschaft Hinnenburg pachtpflichte Mühlen, o. Jahr
Die Quelle ist wenig bekannt. Sie wurde von Dr. Franz Mürmann, dem späteren Lehrer des Gymnqasiums Marianmum in Warburg und Bürgermeister 1964-69. Dr. Mürmann war als Studienreferendar in den ersten Kriegsjahren im Archiv Hinnenburg mit Ordnungsaufgaben betraut.Ein kleines Heft von 25 Seiten beschäftigt sich mit den acht Hinneburger Mühlen: Alhausen, Beller, Bredenmühle Brakel, Mittelmühle Brakel, Ostheimer Mühle Brakel, Nethmühle Erkeln und der Kunstmühle.   
Die Hinnenburger Mühlen wurden unter herrschaftlicher Aufsicht betrieben und als Pachtmühlen vergeben. Die Dokumentation von Rechten und Pflichten ergibt eine interessante Information über die Entwicklung der Mühlenordnung und das Mühlenwesen. Durch Verflechtungen mit Kirche und Stadt kam es jedoch zu Verwirrungen über den rechtmäßigen Eigentumszustand und so wurden Prozesse bis an das Reichkammergericht in Wetzlar ausgetragen.


Josef Forst: Historische Mühlen und Dorfteiche in Höxter-Fürstenau. In: Die Warte 184/2019, S. 24-31 
Bödexen und fürstenau waren wie Dalhausen früher ausgesprochene Mühlenorte, in dem mehrere Mühlen liefen. In Fürstenau haben die teils namenlosen Bäche nur geringe natürliche Wasserkraft und so mussten Stau- und Dorfteiche angelegt werden. Eine Teichfüllung reichte dann für 7-8 Korn Korn. Mit vielen Kartenskizzen und dem Versuch einer genauen historischen Beschreibung, wobei die Konzession durch die Herrschaft Corvey nicht mehr nachweisbar ist.  


Auf die besondere Mühlentradition in Paderborn wird hier verwiesen. An der Pader waren um engen Umkreis bedeutende Mühlen in Betrieb wie die Mühle Schwarzendahl, Reineke (Brot) und die Stümpelsche Mühle (seit 2018 Café und Mühlenmuseum, Spitalmauer 27). Durch die Umgestaltung des Mittleren Paderquellgebietes (2019) ist dort eine interessantes Grüngebiet und Mühlenviertel entstanden. Auch hier ein Literaturhinweis, aber hier mit vielen Fotos:

Annette Fischer: Von Drecksäcken und sauberem Strom - das Mühlenmuseum in der Stümpelschen Mühle. In: Die Warte 184/2019, S. 2-4

Waldemar Becker, Geschichte der Driburger Mühlen. Schriftenreihe des Heimatvereins Bad Driburg, Heft 28, 1984
Darin sind 9 Mühlen beschrieben, die, weil an kleinen Wasserflüssen gelegen, meist neben einer Landwirtschaft als Lohnmühlen in Betrieb waren.

 

Papiermühlen in der Region um Höxter – eine Besonderheit

Josef Forst: Papiermühlen im Fürstentum Corvey und seiner Nachbarschaft. In: Jahrbuch des Kreises Höxter 2019, S. 103 f

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Besonderheit Papiermühlen und ihrer Verbreitung um Höxter und Beverungen. Die Verarbeitung von Lumpen, die Herstellung von Büttenpapier (vorwiegend für den Bischof von Paderborn) und die Entwicklung werden thematisiert.

Von diesen Mühlen ist die Rede:

  • Beverungen (1604-1884)
  • Ottbergen (1605-2009), ab 1875 „Kartonfabrik Joh. Schmidt“
  • Polle (1691-1869), dann Weberei
  • Höxter (1691-1869), ab 1880 Zementfabrik
  • Lügde (1692-um 1950)
  • Schieder (1697- ca. 1960), später Heimatmuseum mit Mühlenbetrieb
  • Holzminden (1764-1870)
  • Höxter, „Dormann‘sche Maschinen-Papiermühle Höxter“ (1845-um 1900)

 Bellersen, Zum Mühlengrund 9, 33034 Brakel