Der Chronik Godelheim (Teil 1939-1945) sind die beiden folgenden Textstellen entnommen:


Kriegsmaßnahmen in der Landwirtschaft

Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden zur äußersten Leistungssteigerung angespornt, sie hatten die Ernährung des deutschen Volkes und den unermesslichen Bedarf der Wehrmacht sicherzustellen. Dieses musste unter den schwierigsten Verhältnissen erfolgen. Die Pferdegespanne wurden durch die Zwangsablieferungen an die Wehrmacht stark gelichtet. Ein weiterer maßgeblicher Faktor war der Arbeitermangel. Manche Bauersfrau war gezwungen, allein auf sich gestellt mit ausländischen Arbeitskräften die Bewirtschaftung ihres Betriebes durchzuführen. Der Mangel an Kunstdünger bedingte ebenfalls einen Produktionsrückgang. Jedem landwirtschaftlichen Betrieb wurde die Erfüllung eines von der Kreisbauernschaft festgesetzten Solls an Getreide, Kartoffeln und Vieh zur Pflicht gemacht.

 

Organisiertes Kartoffelkäfersammeln

Im Jahre 1939 war der Kartoffelkäfer bereits im Westen Deutschland aufgetreten. Wegen der verheerenden Auswirkungen auf den Feldern die von diesem Schädling befallen wurden, mussten überall vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Als erste Maßnahme wurde angeordnet, sämtlich Kartoffelfelder durch die Einwohner absuchen zu lassen. Die Gemarkung wurde in verschiedene Suchgebiete eingeteilt, die dann unter Anleitung eines Kolonnenführers begangen wurden. Jeder Haushalt hatte an einem bestimmten Wochentag eine Person zu dieser Aktion zu stellen. Gefunden wurden jedoch keine Käfer.

 

Ergänzt werden soll der Bericht des Chronisten von Godelheim durch eine Nachricht aus Beverungen mit einer allgemeinen Vorbemerkung zum Schädling:

Der Kartoffelkäfer ist ein ca. ein Zentimeter großer gelb-schwarz-gestreifter Käfer mit roten Larven, der Nachschattengewächse, bevorzugt Kartoffeln, befällt. Der Blattfraß geht bis zum Totalausfall. Um 1880 ist er nach Europa gelangt und verursachte in Teilen großen Schaden. Während der Nazizeit gab es einen organisierten KAD (Kartoffelkäfer-Abwehr-Dienst) für Schulkinder und Dorfhelfer.


Else Macintyre beschreibt im Stadtbuch Beverungen der Volkshochschule (2015) der Einsatz von Schulkindern zur Aktion Einsammeln der Kartoffelschädlinge. Käfer und Larven wurde von den Pflanzen abgenommen und in großen Gläser (mit Deckel) gesammelt für die spätere Vernichtung. Die Sammelaktion wurde natürlich auch durch Fangprämien und Ehrennadeln unterstützt.


Im Laufe des Krieges wurde das Gerücht gestreut, dass US-Flugzeuge die Käfer abwerfen würden und so verwendet man auch die Bezeichnung Coloradokäfer nach der Heimat des Käfers in den USA.

Hinweis: In der DDR wurde noch bin in die 1060-er Jahre gesammelt, während in Westdeutschland zunächst hochgiftige Pestizide wie DDT und Arsen-Produkte eingesetzt wurden.