Siedlungstätigkeit nach dem 1. Weltkrieg: vorwiegend Schlesien

 

Die allgemeine wirtschaftliche Notlage nach dem verlorenen Krieg in Deutschland ist bekannt.

Zu den wirtschaftlichen Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts schreibt die Sparkasse (im Buchanhang, S. 158): "Unsere nähere Heimat von Diemel, Börde und Egge war schon seit Jahrhunderten bedrückt von dem Zwang, dass die nachwachsende Jugend ihrer fast nur bäuerlichen Bevölkerung auswandern musste, seit den napoleonischen Kriegen um 1820 nach Amerika, seit der starken industriellen Entwicklung nach dem Kriege von 1870 vermehrt in das Rhein-Ruhrgebiet, aber auch schon vorher und zu gleicher Zeit in andere deutsche Landschaften mit bäuerlichen Siedlungsmöglichkeiten." Und die Zuckerfabrik bemerkt dazu (Anhang S. 163): "Dennoch sind in diesen Jahrzehnten des industriellen und wirtschaftlichen Aufschwungs in unserem Vaterlande zahlreiche Bauernfamilien des Diemel-Börderaumes sowohl in die preußischen Ostprovinzen nach 1884 als auch in die bayerischen Ackerbaugebiet nach 1908 abgewandert."

 

Zu den Rückkehrern aus den Ostgebieten gesellten sich auch die Rückkehrer aus den deutschen Kolonien. Einige von diesem Kreis kaufen verlassene Höfe in anderen Gebieten (z. B. Mecklenburg-Vorpommern und Schlesien), aber die meisten bleiben einfache Landarbeiter. Gesetzliche Regelungen für dieses ließen in der Umbruchszeit nicht auf sich warten: 1919 wurde Reichssiedlungsgesetz und 1923 Flüchtlingssiedlungsgesetz verabschiedet, das die Landbeschaffung für Teile der Bevölkerung, die Errichtung neuer Siedlerstellen und das Vorkaufsrecht der Siedlungsgesellschaften regelte.

 

Doch zunächst gab es praktisch keine neue Siedlungstätigkeit. Das lag wohl auch an dem Problem Geldentwertung.

 

Doch die Notlage wurde nicht wirklich besser und so formulierte der Landwirtschaftsminister 1927 mit Blick auf breite Bevölkerungsteile: „Die Siedlungstätigkeit ist eine unbedingte Notwendigkeit geworden, da die Ernährung sichergestellt werden muss“.

 

Und so kommt ab 1926 neuer Schwung in die Angelegenheit: Der Leiter der Oberschlesischen Siedlungsgesellschaft Oppeln wendet sich an den Landrat des Kreises Warburg, Dr. Schoenkaes (aus Altenheerse) und erklärt, dass drei Güter mit gut 1000 ha aufzusiedeln seien (Wiesbach u. .a). Der Inspektor Bertram wird ebenfalls unterstützend genannt und so entwickelt sich Warburg zum Zentrum der neuen Ostsiedlung in Schlesien. Und das nicht nur für die eigenen Leute, sondern auch für Siedler auch aus ganze Westfalen und anderen Gebieten.

 

Besondere Bedingung war, dass die Personengruppe „landsmannschaftlich zuverlässig und katholisch“ war. So sollte die Eingliederung im katholischen Polen besser gelingen. Und die Interessenten kamen aus diesen Bevölkerungsgruppen: Nachgeborene Bauernsöhne, Kleinstbauern, fähige Landarbeiter und Landhandwerker.

 

Der große Treck beginnt 1926

 

Einer der ersten Züge im Jahr 1926 sah so aus:

120 Personen „machten nach Schlesien“, wie man damals sagte. Darunter waren 5 Siedler, 6 Pferde, 53 Rinder, 19 Schweine, dazu Geflügel, Maschinen, Geräte und eine Menge Hausrat. Ein Zug wurde zusammengestellt in den Verladestationen Warburg (11 Waggons), Eissen (16 Waggons) und Borgholz (5 Waggons). Die Reisedauer betrug drei Tage und von einer guten Versorgung an den Haltestellen wurde in die Heimat berichtet.

 

Der gute Start des Unternehmens und die positiven Rückmeldungen führten zu einer regelrechten Siedlungswelle, die bis 1936 andauerte.

 

Die Siedler bekamen einen Einrichtungskredit (Ostsiedlerdarlehen) mit 10.000 RM für Anzahlung, Transport und Inventarbeschaffung. Es gab zwei Freijahre, dann begann die Rückzahlung. Die Darlehen wurden auf 4 % Restzins verbilligt, die Tilgung betrug 2 %, später teilweise nur noch fünf Jahre Laufzeit.

 

Ernste Probleme tauchten erst nach und nach auf: Ab 1929 häufen sich Klagen über mangelndem Absatz, schlechte Ernten, Geldschwierigkeiten, hohe Kaufsummen usw. Der Landrat Dr. Schoenkaes ist im Juli 1930 drei Tage in Oberschlesien in 7 Orten um sich ein Bild zu machen. Danach wurden einige Maßnahmen zur Verbesserung der Lage eingeleitet wie Stundung von Zahlungen, die Einrichtung neuer Absatzestellen und ein Silobau-Projekt.

 

Landrat Dr. Schoenkaes wurde im gleichen Jahr 1931 durch Herrn Böckenhoff abgelöst. 1933 wird dann eine Reichsstelle für Siedlerberatung eingerichtet. Sie hatte Zweigstellen Münster, Herford und Dortmund. Diese waren dem Reichsnährstand unterstellt und der vergibt Zulassungen jetzt zentral.