Siedlungstätigkeit in der Provinz Posen vor 1900

 

Im einführenden Kapitel zur deutschen Ostsiedlung wird betont, dass bereits im Mittelalter der hochstiftische Adel über die Ritterorden und heimische Kaufleute über die Hanse sich in der Besiedlung des Kurlandes beteiligt haben. Nach einer langen Pause kam um 1800, nach der 3. Teilung Polens und dem Wiener Kongress 1815, wieder Bewegung in die Ostsiedlung.

 

Aber erst unter Bismarck nach der Reichsgründung 1970 gab es dann konkrete Fortschritte. Ziel war die Besiedlung des Warthelandes, Reichsgau Wartheland oder Provinz Posen.

 

1886 und 1890 wurden mit dem Rentengutsgesetz die Grundlagen geschaffen für die Siedlungstätigkeit. Erste Siedlungsgesellschaften wurden gegründet. In Westfalen entstand erst später (1906) die „Rote Erde“ in Münster.

 

Gründe für die Auswanderung gab es wohl genug. Denn auch Eisenbahn und der Zeit der Industrialisierung gab es weinige Entwicklung auf dem Land . Die Erwerbsmöglichkeiten waren eng begrenzt. Und so begann ab den 1890-er Jahren der große Treck in den Osten mit insgesamt 100 Familien in die Kreise Wreschen und Pleschen/Jarotschin.

 

Voraussetzung für die Besiedlung im Osten war z. B., dass die Güter und Ländereien nicht auf dem Wege der Enteignung, sondern durch Ankauf von Angeboten erworben worden sind. Es gab damals wohl regelrecht verwahrloste Landstriche mit verfallen Gütern und vernachlässigten Flächen, die praktisch erneut in Kultur und Bewirtschaftung genommen werden mussten.

 

Rentengut

Die Siedlerstellen wurden in Form des Rentengutes abgewickelt. Die jährliche Rente wurde auf den Übergang ins Eigentum angerechnet. Das neue Genossenschaftswesen war segensreich für die die gesamten landwirtschaftlichen Tätigkeiten im vor- und nachgelagerten Bereich.

 

Dorfgründungen

Nach dem Ankauf wurde in einer Art Zwischenbewirtschaftung die Grundlagen für die nachfolgende Besiedlung geschaffen. Die Hofstellen (auch in Alt- und Neugebäuden) wurden festgelegt, Handwerksbetriebe, Arbeiterhäuser, Kaufläden geplant. Ja auch Kirchen und Schulen wurden bebaut. Es entstanden praktisch kleine Dörfer. Dass diese mühsame und schwierige Aufbauarbeit überhaupt so geleistet werden konnte, dazu war die landsmannschaftliche Geschlossenheit von Vorteil. Und so halfen sie sich untereinander, die Siedler in den neuen Gemeinschaften wie in einer Großfamilie.