Für Frohnhausen liegt eine umfangreiche Chronik vor: Frohnhausen 1800-1998, Hrsg. Heimat- und Hallenverein, Frohnhausen-Hampenhausen e. V., 2013. Sie basiert auf die Darstellung in 3 Bänden, wovon der 3. Band (1939-1988) durch einen kleine Arbeitsgruppe verdienterweise nachgetragen wurde. Im Anhang befinden sich alte Hausansichten, eine Beschreibung der Gebäude 1863, das Namensverzeichnis und der Lageplan der Gebäude 2013.

 

Damit ergibt sich schöne Quelle, die die Verhältnisse in der Landwirtschaft der letzten 200 Jahre vor Augen führt. Von vielen großen Höfen geht es zurück bis auf einen. Von Abschnitten wie Zwangsarbeiter und der NS-Zeit ist die Rede wie über die Einrichtungen der Landwirtschaft im Lauf der Zeit. 


Kursiv dargestellt sind nur die wörtlich übernommenen, in der Schreibeweis angepassten Texte der Chronik. 

1820

 

Der vornehmste Erwerbszweig der Gemeinde ist der Ackerbau. Der allgemeine Zustand hiesiger Gemeinde ist bis hierhin von mittlerer Art gewesen

1827

Gewerbe

Es wurde die sich zwischen Frohnhausen und Auenhausen befindliche Windmühle errichtet.

1832

Gewerbe, Juden

Im Hause des Schankwirtes Moses Löwenstein befand sich ein Israelit mit Namen Isaak Goldschmidt, gebürtig aus Volkershausen/Großherzogtum Sachsen, welches sich schon mehrere Jahre hier aufhielt. Er hatte ein Patent als Lumpensammler. Nachdem bekannt wurde, er wäre ein Ausländer, wurde ihm untersagt sein Gewerbe im Preußischen Staat auszuüben und er wurde des Landes verwiesen. Aus Verzweiflung schnitt er sich mit einem Brotmesser in die Gurgel, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Durch die pünktliche Behandlung durch Kreisphysikus Düsterberg zu Warburg wurde er wiederhergestellt. Worauf er sich entfernt.  

1832

Baumschule

Nach einer Bestimmung der Regierung zu Minden wird ein sog. Industrie-Garten (Baumschule) angelegt. .. Der Garten war ca. eine halbe Morgen groß und wurden dem Schullehrer Bruns zur Aufsicht übergeben. 1894 wird erwähnt, dass der Baumwärter Hermann Deppe wiederholt an einem Baumwärter -Kurs der landwirtschaftlichen Winterschule Warburg teilgenommen hat.

1848

Grund und Boden

Die Güter Gehrden und Niesen hatten die Schafhuden widerrechtlich bis nahe an Frohnhausen ausgedehnt. Sie wurden eines Sonntagnachmittages gemeinschaftlich zurückgetrieben.

1850

Grund und Boden

Im Rahmen der überörtlichen Separation erfolgen Regelungen für die Hude .

1856

Wetter, Klima

(frei) In Frohnhausen gibt es bisher wenig Hagelschaden im Vergleich zu umliegenden Orten, Das wird auf die Höhenlage zurückgeführt. Aber jetzt schließen doch manche eine Hagelversicherung ab, um den Schaden auszugleichen.

1857

Landtechnik

Der neue Eigentümer des Schlüterschen Hofes (Nr. 35), Franz Husemann, vorher Pächter von Gut Bülheim bei Lichtenau, kauft die Fläche im Umfang von 413 Morgen und die erste Dreschmaschine und Häckselmaschine weit und breit.

1964

Grund und Boden

Beginn der Separation, Ausführung 1872

Es wurden kleine Stücke zusammengelegt, neue Wege und Abzugsgräben angelegt für ein effizienteres Arbeiten im Feld. 1880 Abschluss des Verfahrens

1867

Wetter, Klima

Angesichts einer daramatischen Missernte 1866 durch Hagelschlag und Überschwemmung wird eine Hauskollekte in mehreren Landkreisen für die Geschädigten bewilligt. 

1883

Tierhaltung

Eine Bekämpfung der Schafräude wird angeordnet. Innerhalb von 5 Tagen müssen alle Schafe zweimal durch ein spezielles Wasserbad.  

1885

Manöver

Beim Corps-Manöver mit Tausenden von Soldaten verschiedener Waffengattungen sind Truppenteilen im Ort einquartiert. Die Mannschaften mussten viel vom schlechten Wetter leiden.
Weitere Großmanöver auf der Hegge um Auenhausen fanden 1905 und 1907 (Kaisermanöver) statt.

1886

Grund und Boden

An der alten Sandgrube am Hampenhauser Weg im Besitz von Landwirt Krömeke wird ein großes Sandlager entdeckt und zum Abbau freigegeben.

1887

Gewerbe

Die Landwirte der Heggedörfer haben sich zusammengeschlossen für den Bezug von „Kunstdünger, Kraftfutter, Kleesamen u.a.“ auf Vorschlag des Westfälischen Bauernvereins.

1888

Gewerbe

Gründung der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft

1892

Viehbestand

69 Pferde, 233 Rindvieh. 345 Schafe, 52 Ziegen und 5 Bienenstöcke

1894

Milchverarbeitung

Dem Beispiel vieler Nachbarorte folgend wird nun Milch zur Molkerei Peckelsheim bzw. Brakel (1895 geliefert mit dem Milchwagen.

1894  Hofverlust

Eine bemerkenswerte Tragödie spielte sich bei einer Familie Kröger ab. Sie wurde durch den Gerichtsvollzieher auf die Straße gesetzt, bis der neue Besitzer kam und die Türen wieder öffnete, damit sie ein Quartier hatten. „Kröger hatte sein elterliches Gut als eines der größten Ackergüter unserer Gemeinde übernommen, verkaufte aber nach einigen Jahren die Hälfte der Grundstücke, um die vorhandenen Schulden zu bezahlen, was ihm auch gelang. Nachlässige Bewirtschaftung und allzu großes Vertrauen auf allzeit willfähige Gefälligkeit der jüdischen Geldverleiher, denen er dann einen Wechsel nach dem anderen ausstellte. Verbunden mit der Vernachlässigung seiner kirchlichen Pflichten brachte die Familie in wenigen Jahren an den Bettelstab.

(1896) Bauer Kröger erhält einen Zuschuss von 1.000 Mark für ein Wohnhaus und lebenslanges Wohnrecht vom neuen Eigentümer des Hofes, Franz Welling, Hampenhausen, der einen Hofteil weiter veräußert hatte an Landwirt Thiele.

1896

Tierhaltung

Der Schweineseuche fallen 100 Tiere zum Opfer. Von Zwangsmaßnahme im Rahmen der landesweiten Maul- und Klauenseuch ist der Ort bisher verschont geblieben. 1911 MKS in der Umgebung.

1899

Gebäude Land-wirtschaft

Bau von massiven Wirtschaftsgebäuden in zwei Höfen. Es folgen Bauten in anderen Höfen

1900

Viehzählung und Obstbäume

62 Pferde, 255 Rindvieh, 229 Schafe, 47 Ziegen, 1054 Federvieh, 29 Bienenstöcke, 2455 Obstbäume

1906

Dienstleistung

Die deutschlandweite Wettervorhersage hat für die Landwirtschaft große Bedeutung

1907

Milchverarbeitung

Molkereigründung in Frohnhausen durch Josef Seewald, dann Josef Meyer aus Bredenborn, 1909 Neubau für Milchlieferungen der drei Heggedörfer. 1919 Stromerzeugung durch Dampfkessel Elektrik im Ort. Neubau Molkerei mit Dampfmühle im Tiroler Stil.

1910

Gebäude Land-wirtschaft

Alle Düngerstätten und Jauchegruben müssen wasserdicht ausgeführt werden, damit keine Jauche mehr abfließen kann

1916

Zwangsarbeiter

Einquartierung von 10 Kriegsgefangenen für landwirtschaftliche Arbeiten im als Gefangenenlager umgebauten Saal Gastwirt Scholle. 19018 kommen weitere (Engländer, Schottländer, Franzosen und Russen)

1922

Landtechnik

12 Elektromotoren für die Landwirtschaft im Einsatz (Dreschen , Schroten, Futter- und Holzschneiden usw.)

1931

Wirtschaftliche Lage, Juden

Klage über die allgemeine schlechte Wirtschaftslage. „Nur den Juden geht es gut. Unsere Bauern zahlen und machen Schulden. Die hiesige Spardaka kann sich nur durch kurzfristige Finanzwechsel über Wasser halten.“

1938

Wirtschaftliche Lage, NS-Zeit

Der Wohlstand der Bauern und der ganzen Gemeinde wächst… Die Brandfackel brennender Bauernhöfe schreckt nicht mehr das Land.“

1939

Zwangsarbeiter, NS-Zeit

Im leerstehenden Haus der Familie Löwenstein wurden die Fenster der eh. Gaststube vergittert und ein Gefangenenlager für polnische Kriegsgefangene eingerichtet.

1939

NS-Zeit, Land-wirtschaft

Am 28. Dez. wurde Ortsbauernführer Franz Husemann von der Gestapo in U-Haft genommen und beschuldigt, seinem eh. Nachbarn, dem Juden Hermann Löwenstein, für eine Nacht Obhut gewährt zu haben. – ferner wurde ihm zur Last gelegt, die bei ihm beschäftigten polnischen Kriegsgefangene gemeinsam mit dem angestellten deutschen Melker an einem Tisch das Essen einnehmen zu lassen. – Nach drei Wochen Haft kam er als gebrochener Mann zurück. Eine Verurteilung erfolgte nicht.

1940

NS-Zeit, Kriegsgefangene

Der in Hampenhausen beschäftigte polnische Kriegsgefangene Stanislaus Smyl wurde zum Tode verurteilt, weil er sich angeblich unsittlich gegenüber einer deutschen Frau verhalten habe. Er wurde durch die SS zum Tode verurteilt und am 26. Juli an einem Baum auf der dortigen Schweineweide erhängt. Seine in der Umgebung untergebrachten Landsmänner mussten sich die Hinrichtung zur Abschreckung ansehen. In den Frohnhauser Familien wurde über dieses Geschehen heftig diskutiert. Anmerkung (MK): Selbst noch nach dem Krieg war das ein Thema, das die Menschen bewegte. Bei der deutschen Frau soll es sich um ein kleines Mädchen handeln, und bei der Straftat um das Urinieren auf dem Hof an der Miste. 
Nachtrag: 1962 wird Rudolf Schröder vom Landgericht Paderborn zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte als SS-Funktionär die öffentliche Erhängung eines polnischen Kriegsgefangenen veranlasst.

1945 Zwangsarbeiter Vorbemerkung (MK): Zwangsarbeiter kamen nach dem Russlandfesdzug 1941 in Reich. Sie waren nachts untergebracht in Sammeluntzerkünften und arbeiteten Tag bei Bauern. Das Essen durften sie nicht gemeinsam mit der Familie und den Angestellten einnehmen. - Räuberische Überfälle erfolgten nach dem Einmarsch der Amerikaner am 5. April durch ehemalige Kriegsgefangene.Manche von ihnen beschützen die Häuser, in denen sie untergbracht waren, vor der wilden Horde. 
1947 Landtechnik-Unfall

In den Anfangszeiten der Landtechnik kam es immer wieder zu schlimmen Unfällen, Hier ein Beispiel:

Am 21. Juli verunglückte Franz Wieners beim Mähen des Getreides. Wegen der Stechmücken scheuten die Zugtiere (Kühe) und der Mann (…) fiel in das Schneidemesser, das ihm den rechten Arm abtrennte. Der couragierte Mann drücke sich selbst die Schlagader ab, um das herausschießende Blut zu stoppen. Er wurde ins Krankenhaus Peckelsheim gebracht.

1954

Arbeitstiere

Um diese Zeit verschwand der letzte Arbeitshund aus dem Straßenbild von Frohnhausen. ‚Nero‘ gehörte Fam. Eduard Göke und er war schneller als sein Besitzer unterwegs. Er lieg gewöhnlich weit voraus mit seiner Ladung auf dem Karren, wie Wasser- und Milchkannen, Gemüse usw. Das Gewicht der Hunde und der Ladung waren polizeilich überwacht.
(1956) Um diese Zeit verschwanden die Arbeitskühe aus dem Straßenbild. (..) Sie wurden durch Schlepper ersetzt.“
(1960 ) Letztes Arbeitspferd ‚Bobi‘ von Fam. Deppe

1955

Bau Radarstation Auenhausen

Durch den Bau der Radarstation „Auf der Fine, Höhe 318“ in Auenhausen kam ungewöhnliche Betriebsamkeit in die bisher so ruhige Dörfer. Die Auenhauser hatten sich lange gegen die Herausgabe von 62 Morgen Ackerland gewehrt. Ende Mai wurde mit dem Bau des großen, atomsicheren Bunkers begonnen. Riesige Baumaschinnen wurden eingesetzt und große Lastwagen rollten fast Ohne Unterbrechung durch unser Dorf. Etwa 200 Bauarbeiter aus nah und fern wurden beschäftigt. Das gesamte Gelände war mit einem dichten Bretterzaun umgeben, große Scheinwerfer erhellten das Gelände. Es wurde in Tag und Nachschichten gearbeitet, sogar sonntags. Die Ruhe und Beschaulichkeit der Heggedörfer war dahin.

1956

Landtechnik, Mähdrescher

Der ldw. Betrieb Husemann (Meiwes) erwirbt den ersten gezogenen Mähdrescher. Hunderte von Jahren wurde zum Dreschen der Dreschflegel genutzt, der vor etwa 100 Jahren durch den Dreschkasten ersetzt worden war. Es sollte nur ein gutes Jahrzehnt vergehen , bis die ersten selbstfahrenden Mähdrescher über die Felder rollen würden.

1958

Gewerbe

„Johannes Fögen baute hinter der alten Schmiede eine neue große Reparaturwerkstatt für Landmaschinen und Fahrzeuge. Die alte Schmiede wurde abgerissen und diente als Abstellplatz. „

1959

Grund und Boden

Ende der Feldweg-Hude mangels Nachfrage

1960

Archäologie

Entdeckung eines Gräberfeldes bei Ausschachtungsarbeiten im Steinkuhlenweg. Mehrere Skelette und Grabbeigaben aus der Zeit nach 750 n. Chr.

1968

Gewerbe

Das Thema Bierstreik schafft es in die Bild-Zeitung: Zwei Wochen wird kein Bier in den drei Gasstaätten des Ortes getrunken, bis die Preiserhöhung zurückgenommen wird. Wöchentlich werden etwa 100 l werden getrunken.

1971

Entwicklung Landwirtschaft

Der Hof Josef Justus verpachtet. Das Höfesterben nimmt seinen Lauf.

1974

Milchverarbeitung

Die Milchabholung erfolgt nur noch aus Kühlbehältern. Milchkannen und Milchbänke verschwinden.

1988

Juden

Gedenktafel Alter Schulweg: Hier stand ein Gasthaus, in dem die Fam. Jacobi seit Generationen bis 1938 gelebt hat .


Dieser nette Spruch sagt einiges über den Chrakter vieler im Dorf aus:


Die Siddesser Bauern trifft man in der Kirche, die Frohnhäuser Bauern in der Wirtschaft.

In der Tat waren die Gastwirtschaften täglicvh gut besucht, bereits ab dem späten Vormittag traf man immer andere. Und die Bauern sagten über ihr Verhalten: Soviel Zeit muss der Betrieb aushalten, und die Substanz auch.