Frohnhausen ist eine der wenigen Landgemeinden, die jüdische Mitbürger beherbergte. Im Jahr 1885 (Gemeindelexikon 1987) werden 15 Personen angegeben. Weitere Zahlenangaben finden sich 18 (1834) und 9 (1931).


In Frohnhausen handelt sich um die Familien Löwenstein und Jacobi. Sie gehörten zur Synagogengemeinde Borgholz. Dort gibt es auch einen jüdischen Friedhof.


Im Lexikon 1885 sind für das heutige Gebiet Brakel weiter genannt: Brakel 140, Erkeln 15, Riesel 6, Schmechten 6 Personen. 

In der Chronik Frohnhausen finden sich folgende Einträge, weitere sind bei "Informationen zur Landwirtschaft" Frohnhausen zu finden (vgl. 1931, 1939). 

 

1848

Gesellschaft

Im Rahmen der Unruhe und Volksaufständen Borgholz wurde das Mobiliar eines Judenhauses teilweise verwüstet. In Peckelsheim belästigen die zum Apell versammelte Landwehr mehrere israelische Handelshäuser.

1884

Hökergeschäft

Bisher bestanden hier die Hökergeschäfte des Levi Löwenstein, Seligman Jacobi und Hermann Scholle. Höker = Kaufmann, oft Lebensmittel und Kolonialwaren

1902

Fernsprecher

In der Wohnung des Gastwirts Levi Löwenstein wird eine Fernsprechzelle eingerichtet. Der Anschluss erfolgt von Natzungen her.

1938

Novemberpogrom

Am 10.11.1938, der „Reichskristallnacht“, kamen mehrere SA-Männer aus Borgholz. Sie zerschlugen der Fensterscheiben der jüdischen Häuser Jacobi und Löwenstein, demolierten Wohnung und Laden, zerschnitten Wäsche und begossen Lebensmittel mit Petroleum. Die Bewohner flüchteten in die Nachbarhäuser. – Borgholzer Bürger haben sich nicht an den Übergriffen gegen die angesehenen und allseits geachteten jüdischen Mitbürger nicht beteiligt.

1938

Schicksale

Zum Schicksal jüdischer Bürger in Frohnhausen:

Paul Jacobi, Zahnarzt und Sohn der Familie Jacobi Frohnhausen, kam nach dem Anschluss Österreichs in das Deutsche Reich aus Wien mit Familie zurück, wo nicht mehr praktizieren durfte. Pastor Franz Tecklenburg (aus Auenhausen stammend), bürgte für seine Ausreise in die USA. Seine Frau Käthe Jacobi, eine Christin, und Sohn Paul zogen nach Köln in ihr Elternhaus.

Lina Jacobi verzog nach Hilversen/Holland, wohin ihr Sohn bereits emigriert war.

Sophie Schönwald, die Schwester, emigrierte zu ihrer Tochter Else nach Bogota/Kolumbien.

Karl Jacobi (Gastwirt und Kolonialwarenhändler) blieb im demolierten Haus und arbeitete als Tagelöhner.

Hermann Löwenstein, Gastwirt und Viehhändler, Ordensträger der Ersten Weltkrieges, verzog etwas später zu einer Familie in Ottenstein/Lippe und. Das weitere Schicksal ist unbekannt.

Joachim Reichenbach, ein 18-jähriger hier lebender Verwandter der Löwensteins, kam in das Konzentrationslager Buchenwald, wo er nach wenigen Wochen ums Leben kam. In einem versiegelten Sarg wurde er überführt und in Borgholz begraben.

1943 Schicksal  Karl Jacobi, Sohn der nach Holland geflohenen Lina Jacobi, der Letzte der hier verbliebenen Juden, wurde in ein Lager nach Borgentreich gebracht, von dem aus er einige Male die Fam. Breker (..) besuchte. Später wurde er in der Nähe von Koblenz verschleppt. Über sein weiteres Schicksal ist nichts amtliches bekannt. Ältere Einwohner vermuten, dass er in einer Medizinischen Versuchsanstalt um genommen sei.  

1950

Gewerbe

Der Viehhändler Johannes Göke eröffnet im Haus Nr. 33, eh. im Eigentum der Familie Löwenstein, wieder eine Gastwirtschaft. Mit Foto S. 225.
1988 Gedenktafel Gedenktafel Alter Schulweg: Hier stand ein Gasthaus, in dem die Fam. Jacobi seit Generationen bis 1938 gelebt hat