Wegekreuze, Bildstöcke in der Feldflur sind ein Kennzeichen des Paderborner Landes, zu dem wir in Brakel ja gehörten. Viele gehen auf das 17. Jahrhundert zurück, die Zeit der Rekatholisierung. Der katholische Glaube wird so an festen Symbolen festgemacht.


Aber auch im 19. Und 20. Jahrhundert sind Bildstöcke und Wegkreuze dazu gekommen. Sie erinnern an Unglücke, Jubiläen oder dankbare Stunden und sind Ausdruck einer bildhaften Volksfrömmigkeit oder der Heimatliebe.


In Gehrden, Siddessen und in den Heggedörfern sind eindrucksvolle historische Bildstöcke des Benediktinerinnen-Klosters Gehrden errichtet worden. Um das Jahr 2000 sind noch einmal eine Reihe von Wegkreuzen oder Bildstöcken entstanden oder erneuert worden. Viele davon sind in Privatbesitz. Das letzte Objekt ist bei Bökendorf-Hainhausen entstanden, das Pilgerkreuz aus dem Jahr 2012 im Zusammenhang mit dem Pilgerweg Höxter über Paderborn nach Dortmund.

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Im Stadtgebiet Brakel gibt es 210 Objekte. Sie sind in der Brakeler Schriftenreihe, Heft 26 (2014) beschrieben. Eine CD mit Fotos ist Bestandteil der Broschüre, die vom Arbeitskreis Stadtgeschichte des Heimat- und Museumsvereins erstellt wurde. Sie wurden mit Nummern versehen und erleichtern das Auffinden der Beschreibung im Heft und der CD: z. B.

"Rh 1" für das Waldkreuz Großer Gott in Rheder oder
"Ri 7" für das Kreuz im Westerlindenfeld Brakel (Bohlenweg, gleichzeitig Titelbild des Heftes)

Mehrere sind ab den 1990er Jahren in die Denkmalliste der Stadt eingegtragen. Ihr Erhalt ist damit einigermaßen gesichert.   


Die Objekte sind wie folgt in Brakel und seinen Ortschaften verteilt:

Auenhausen (7), Beller (7), Bellersen (10), Bökendorf (16), Brakel (28), Erkeln (20), Gehrden (15), Frohnhausen (11), Hampenhausen (9), Hembsen (12), Istrup (11), Rheder (7), Riesel (11), Schmechten (10), Siddessen (9) .


Häufig finden sich  Inschriften wie diese:

O crux save, spes unica = Im Kreuz ist Heil 
O, die ihr alle vorübergehet, O Mensch, gedenk der Ewigkeit

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Der Ring um die Hinnenburg: Das Adelsgeschlecht der Asseburger (historisch waren sie Funktionsträger und teilweise Fürstbischöfe des Hochstifts Paderborn) haben in den 1850-er Jahreneinen Ring von Heiligenfiguren um das Schloss angelegt:


Der Hl. Antonius (Brunnenallee)

Die Mutter Gottes im Wasser (Ostwestfalenstraße)

Der Annenbildstock unterhalb des Schlosses

Der St. Hubertus (Hinnenburger Wald Richtung Bökendorf)

Der bekannte Sinnspruch für Hubertus lautet: St. Hubertus Schutzpatron / Bitt für uns an Gottes Thron /
Schütz die Flur, den Wald , das Wild / und uns als Gottes Ebenbild
.

Der Kleine Theodor (Heinefelder Weg)

Der Wilhelmus (nördlich der Kunstmühle bzw. neu auf der Brücke beim Schäferhof)

Der Hl. Johann Nepomuk (ist verloren gegangen. Ehemaliger Standort: auf der Nethbrücke beim Gut).

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In Bökendorf gibt es den Kreuzweg Lämmerkamp mit 14 Kreuzen oder Bildstöcken. In Gehrden den Kreuzweg mit 14 Stationen am Katharinenberg. 

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Am Flurkreuz „Großer Gott“ in Rheder (oben auf der Höhe am Waldrand bei der Antoinettenburg) finden seit 1987 Pfingstgottesdienste statt. Sie gehen auf die Tradition der Bittprozessionen zurück, die dort seit 1767 (Kreuzerrichtung) bis 1928 bzw. ca. 1960 belegt ist. Der Gottesdienst heute mahnt den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den Schutz vor Unwetter. Die Gottesdienste finden viel Zuspruch aus dem umliegenden Orten. Der Musikverein Auenhausen spielt.
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Eine Besonderheit stellt das Kreuz "Am Knüll/Reiterkreuz/Hindenburgkreuz" (B 20) oberhalb des Sudheimer Waldes dar. Es geht auf die Initiative der Herren Adolf Frhr. von Spiegel, Eduard Menne, Jakob Müller, Landrat Karl Koerfer, Rektor Josef Micus und den Reiterverein Nethegau zurück, die 1924 eine Gedenkstätte auf dem Knüll (hinter dem Sudheimer Wald auf der Anhöhe) errichteten. 1934 wurde ein 3,50 m hohes Eichenholzkreuz errichtet. Es das einzig politisch motivierte Kreuz oder Vaterlandskreuz in Brakel. Beteiligt wurden auch die Kriegervereine, die es praktisch in allen Orten damals gab.


1936 wurden dem Kreuz als Umfassung fünf Linden im Rondell gepflanzt:

Karl Koerfer-Linde (Landrat Höxter 1887-1917)
Marfording-Linde
Eduard Menne-Linde (Landwirt Sudheimer Hof)
Landrat Dr. Hans Reschke-Linde (104-1995, Landrat Höxter 1934-39, später OB Mannheim 1955-1972) und
Josef Micus-Linde (Rektor Volksschule Brakel)


Das Areal befindet sich heute im Besitz von Ferdinand Reineke, Sudheim 61, der das Areal erhält und dem Kreuz der christlichen Bedeutung zurück gegeben hat. 1997 wurde das Kreuz erneuert und geweiht durch Pfarrer Wilhelm Koch.