Ein gefragter Agrarexperte und ein Unikum seiner Zeit war August von Haxthausen. Er beschäftigte sich mit Fragen der Agrarverfassung in Preußen und in das damals fast unbekannte Russland. Durch seine Reisen und vielen Befragungen gewann er ein Bild von den Verhältnissen auf dem Land, das in die späteren Agrarreformen einfloss.

Hier ein paar Lebensdaten (Foto A. v. H. mit Harnisch und Malteserkreuz, Gemälde von Hugo Denz 1860)

avh porträt 1860 1

  • 1792 in Bökendorf (Bökerhof) geboren als 12. Kind des Werner Adolf von Haxthausen
  • Erzogen bei der Verwandtschaft in Hildesheim, Paderborn und Münster
  • Studium in Clausthal-Zellerfeld und Göttingen: Bergbau, Verwaltung und Jura ohne Abschluss
  • Kontakt zu vielen Geistern seiner Zeit, Gründung des Bökendorfer Romantikerkreis
  • 1929 Monografie von Bökendorf und Gut Bökerhof (erschienen in der Westf. Zeitschrift 1887)
  • 1929 Agrarverfassung in den Fürstentümer Paderborn und Corvey
  • Danach in preußischen Diensten
  • 1843-44 Russlandreise nach St. Petersburg bis zum Schwarzen Meer im Auftrag des Zaren mit mehrbändigen Veröffentlichungen
  • 1847 Kauf des Wasserschlosses Thienhausen und Sammlung von kuriosen Dingen (scherzhaft: "Des Heiligen Römischen Reiches Rumpelkammer")
  • 1866 Tod in der Sivesternacht in Hannover (bei seiner Schwester Anna von Arnswaldt). Der Zinksarg (als Sarkophag) wurde nach Bellersen überführt und in der Gruft der Pfarrkirche wurde er beigesetzt. Hier eine Anekdote dazu am Rande (die Bellerser sagen das): Im heißen Sommer soll sich der Zinksarg geöffnet haben mit der Folge, dass in Kirche und Umfeld sich eine furchtbarer Gestank ausgebreitet hat...

In Thienhausen hatte sich August von Haxthausen förmlich eingeigelt und wurde zum Sonderling, der auf seinen gesammelten Schätzen saß. Bei einem Brand 1904 wurde ein Großteil später vernichtet.

 

Quelle: Vgl. Horst-D. Krus in Die Warte 1992: August von Haxthausen, Erinnerung anlässlich seines 200. Geburtstages

August von Haxthausen schreibt über seine Bökendorfer und ihre Lebensverhältnisse wie folgt (aus der Monografie von 1829, an heutige Schreibweise angepasst):


Auf seinem Acker ist der hiesige Bauer fleißig, auch nicht unempfänglich für Verbesserungen; allein außerdem ist er faul und durchaus nicht industriös. Im Winter liegt er auf der Bärenhaut und tut nichts.

Seine Arbeit geht ihm rascher von statten als dem Münsterländer, welcher seine Knochen möglichst wenig rührt, aber stets fleißig fein langsam seine Arbeit fördert, dagegen ihm der Paderborner jenseits des Waldes unter dem Sandfelde und der Sauerländer an Tätigkeit, rascher Arbeit und frühem Aufstehen weit überlegen ist.

Der Bökendorfer lebt mäßig; die geringen Leute fast nur von Kartoffeln. Den Branntwein liebt er, doch sich eigentliche Säufer selten.

Die gewöhnliche Kleidung ist grobes Leinen, kurzes Carmisol (= ärmelloses Oberteil) und der sogenannte Rump darunter, kurze leinene Beinkleider, Schuhe mit gelben Schnallen und ganz kurze leinene Gamaschen.

Der Bökendorfer hält wenig auf die Annehmlichkeiten der Wohnung; das Haus enthält rechts oder links die neue Wohnstube und eine Kammer, auch wohl darüber noch eine Kammer (die sogenannte Bühne); dann kommt die Futterkammer, die Küche, auch wohl noch eine Kammer für die Kinder oder den Knecht.

An der anderen Seite sind die Ställe für sein Vieh. Der Rauch durchzieht das ganze Haus. Die älteren Häuser sind alle von Ulmenholz gebaut, eine Holzart, die jetzt gänzlich in den hiesigen Waldungen eingegangen ist.

Der Garten ist in Planken oder trockene Zäune gelegt; die Miststätte aber liegt offen ohne Umhegung an der Straße.

 

Hier geht es zum Beitrag zum 150-jährigen Todestag des August von Haxthausen im Jahr 2017 (bzw. 2016). Schön, dass die NW als Lokalzeitung daran erinnert, wenn auch mit dem Schwerpunkt Kultur und nicht Agrarwissenschaft. Hierdurch hat er ja seine eigentliche Berühmtheit erworben. Im Beitrag wird er lediglich als Agrar-Interessent bezeichnet.