Hainhausen ist ein altes Gut und eine Anfang der 1950-er Jahre entstandene Neusiedlung im Bereich der Hakesbach-Quelle. Die Siedlung gehört verwaltungsmäßig zu Bökendorf.

Geschichte

Hainhausen ist ein alter Siedlungsort und schon 868 erwähnt. Im Mittelalter sind neben Stift Heerse, vor allem Corvey und das Kloster Brenkhausen Eigentümer. Auch der Stadt Brake gehörte es zeitweilig im 17. und 18. Jahrhundert. 1748 ist es im Eigentum der Familie von Pein und ab 1812 bei dem Grafen von Asseburg.

Um 1830 erbaut die Familie von Bocholtz-Asseburg direkt anschließend zur Gutanlage eine Sommerresidenz, ein kleines Schloss mit zwei Pavillons und einem eigenen Park.

Zwischen 1936 und 1945 war die Anlage ein Heim der NS-Landjahrbewegung, in dem ca. 40 junge Mädchen nach der Schule für ein Sommerhalbjahr in Haushaltsdingen geschult wurden und als Arbeitskräfte auf dem Land dienten. Später wurde es Wohnsitz des Grafen Friedrich und seiner Familie.

Die landwirtschaftliche Fläche von Gut Hainhausen wird Anfang der 1950-er Jahre an sieben ostvertriebene Neusiedler verteilt, davon fünf im Haupterwerb: Wagner / Aufenanger / Rehberg / Lemke / sowie an Prasse / Geisler. Auf dem Hof Rehberg weihte Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke 1953 persönlich die neue Siedlung ein.        

Das Restgut erhält die Pächterfamilie Deitinghoff. In dem zu Brakel gehörigen Raum Helle sind weitere Siedlerstellen vorhanden, die aus dem Besitz Hainhausen stammen.


Landwirtschaft

Die Flächen von Hainhausen umfassen weite Teile des weiten Talraums des Hakesbach, der dort entspringt. Die Flächen reichten durch das Gebiet Helle bis kurz vor Brakel.

Nach dem Niekammer Adressbuch für die Landwirtschaft von 1931 ist Graf Busso von Bocholtz-Asseburg Eigentümer und B. (Bernhard) Vering-Deitinghoff Pächter. Es gehören 413 ha zum Gut. Der Viehbestand umfasste 40 Pferde (!), 66 Milchkühe und 61 Schweine. Ein Motorpflug und eine elektrische Anlage sind vorhanden.

Das Gut war ein intensiv geführter landwirtschaftlicher Betrieb mit vielen Angestellten, vor allem aus Bökendorf. 1953 fällt das Restgut mit Gebäuden an die Familie Heinrich Deitinghoff. Von Otto Deitinghoff zuletzt bewirtschaftet mit Pferdezucht, Rinderhaltung und Saatgutvermehrung, sind seit  ca. 2005 die Ackerflächen verpachtet. Das Grünland bleibt beim Betrieb und wird mirt Rindern genutzt.

Personen

Als Mitglieder des Gesellschaftsvereins Club e. V. Brakel (1837-1942) sind folgende Personen zu nennen (mit Eintrittsjahr):

1837 Graf von Bocholtz-Asseburg
1846 Sobbe, Oberverwalter
1849 Sarrazin, Gutspächter
1864 Schonlau, Gutspächter
1889 Pickert, Gutspächter
1894 Arnold Bauermeister, Gutspächter
1906 Paul Bauermeister, Gutspächter (bis ca. 1929)

 

Aus verschiedenen Quellen

Quelle: Ewald, Stadt Brakel 1925, S. 122 ff.: Zu den Besitzverhältnissen

Nach einer Reihe von Besitzwechseln im Mittelalter hatte die Stadt Brakel das Gut Hainhausen zwischen 1520 und 1540 von den Klöstern Brenkhausen und Hardehausen in Besitz nehmen können. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wechselte der Besitz mehrmals zwischen der Stadt und privaten, meist adeligen Beitzern hin und her (..) 1704 hatte man das Gut für 12.000 Taler zurückgekauft und direkt an den Herrn der Hinnenburg (v. Asseburg) , weiter versetzt. 1728 kauft die Stadt den Hof wieder zurück und behielt ihn bis 1748.
Die eigentliche Bewirtschaftung des Gutes lag in der Hand des Pächsters. 1736 war dies ein Mann namens Müller aus Beller, der für jährlich 905 Taler Hainhausen 'mit Zubehör, Ländereien, Wiesen, Baulichkeiten, Brücheren und Büscheren' pachtete. Ab 1742 war es der Brakeler Bürger Ludwig Gieffers, der für 700 Taler Pächter wurde und dies auch bis 1752 blieb.
Das Gut konnte sich im 19. Jh. erweitern von 368 auf 456 ha (S. 124). 

Quelle Ewald 1925, S. 122-128: „Hainhausen mit dem Strange“

Der 230 ha große Strang-Wald liegt zwischen dem Hinnenburger Wald und Hainhausen. Im Norden grenzt er an den Bökendorfer Besitz. Die Urkundenlage ist schwierig und viele spricht dafür, dass er der Villa Hainhausen und weiteren dort gelegenen Siedlungenen gehört hat. Um die Holzrechte gab es langen Streit zwischen der Stadt und den jeweiligen Besitzern des Gutes Hainhausen

Im Jahr 1837 verkaufte die Stadt Wald an den Grafen Dietrich Graf von Bocholtz-Asseburg (1812-1892), der damit „für billiges Geld sein großes Gebiet“ abrunden konnte. Der Spruch hat sich bis heute gehalten: „Dietrich, schenk ein / Der Strang ist dein“. Er steht symbolisch für eine gewisse Vormachtstellung des Adels im 18. und 19. Jh. und als gutes Geschäft für die Asseburger.

 

Quelle: Beuke, Brassel 1999, Brakel  1747 (Schriftenreihe, Heft 16, S. 17): Zum Verkauf des Guten an Herrn von Pein

Bürgermeister Wechter sieht im Besitz des Gutes bei der Stadt ein hohes finanzielles Risiko. 'Bei Missernenten, Hagel oder Kriegsverwüstung, blieben die Zinsbelastungen weiter bestehen. Für 35.000 Rtl. (gefordert waren zunächst 46.000 Rt.) verkauft die Stadt an den Adligen von Peine, dem die Auflage gemacht wird, den großen Hochaltar für die Pfarrkirche St. Michael zu stiften.

Später gibt es Zweifel über die korrekte Buchung des Kaufgeldes, erhoben durch den Fhr. von Assburg. Die Modalitäten werden noch einmal notariell festgelegt. (S. 38)   

2020