Wie es früher beim Dreschen zuging - Ein Gedicht aus Hembsen
(Neue Westfälische v. 27.08.1974, Verfasser unbekannt, übernommen aus der Buch Potthast Hembsen 2002)


Es beschreibt die harte Arbeit am stationären Dreschkasten in den 1950-er Jahren. Der Antrieb erfolgte über einen Elektromotor.


Bald ist das Korn auf den Feldern wieder reif,

Mähen und Dreschen geschieht auf dem Acker zugleich.

Als es noch keine Maschinen in Hembsen gab,

da mähte man noch viele Morgen mit der Sense ab.

 

Es bauen ja nicht nur Bauern Getreide an,

die Not zwang dazu auch den kleinen Mann,

der im Stall hatte noch Ziegen und Schweine,

auch Hühner und Gänze, große und kleine.

 

Auf dem Anger hatte viele Leute ein Stück in Pacht,

einige wurden auch mit Schulland bedacht.

Auf dem Acker schaffte nach der Arbeit der Mann,

es mussten auch Frau und die Kinder mit ran.

 

Wenn das gemähte Korn war gebunden,

und man hatte die angebauten Stiegen für gut befunden,

das blieben die Haufen etwa eine Woche lang stehen,

dann musst man sich aber nach dem Fuhrmann umsehen.

 

Nun wurde die Ernte auf dem Felde geladen,

die Garben hochgestapelt auf den Pferdewagen.

Zwei Dreschmaschinen hatten ihren festen Stand:

Eine an der Angerlinde, die andere an Borchers Scheune Rand.

 

Da standen die schweren Fuhren oft stundenlang,

in langer Reihe, oft ohne Pferdegespann.

Dann wurde geschoben und jeder fasste mit an.

Es durfte ja keine Lücke entstehen,

schnell hatte sie nämlich einer gesehen

und schob sich hinein und drängte nach.

Darüber gab es später noch Krach.

 

Wenn es dann endlich war geschafft

und das Fuder war an die Dreschmaschine gebracht,

dann mussten viele Helfer zu Stelle sein.

Dafür lud man Nachbarn und Bekannte mit ein.

Es war Hilfe auf Gegenseitigkeit,

denn jeder brauchte mal Hilfe in dieser Zeit.

Beginn und Ende des Dreschens wurden notiert

Und für die Zeit dann das Geld kassiert.

 

Beim Dreschen gab es eine Menge Staub.

Um sich zu verständigen, schrie man laut.

Vom Erntewagen warfen zwei die Garbenbündel

Oben auf den Dreschkasten neben die Spindel.

 

Dort standen sie mit dem Einleger zu dritt,

der Angeber und der, der die Strohseile durchschnitt.

Die Garben verschwanden im Maschinenrumpf

über eine Trommel. Das klang sehr dumpf.

 

Unten kam das Stroh gepresst und gebunden an.

Auf der anderen Seite stand der wichtige Mann.

Der passte auf, dass die Säcke mit Korn wurden voll.


Indessen festen die Frauen hinten und vorn

Die Rückstände zusammen, hastig wie sonst nie.

Das war dann noch Futter für das Federvieh.

 

Wenn endlich geschlagen war die eine Schlacht,

wurde schon das nächste Fuder gebracht.

Schnell musst man vom Tatort verschwinden,

es galt , in Eile alles zusammenzufinden.

 

Stand bald das Fuder nun endlich vorm Haus,

war es mit der Arbeit noch lange nicht aus:

Stroh entladen, packen und schwere Säcke tragen

über Treppen hoch, ohne zu klagen.

 

So ging es früher beim Dreschen zu,

man kam vor lauter Arbeit und Aufregung kaum zur Ruh.