Aus dem Beitrag „.. ein historischer Rückblick“ von Dr. Arwed Blomeyer in der Festschrift 1985 

 

Die Rückständigkeit der Landeskultur hat der weitgereiste Agrarexperte Nepomuk von Schwerz in seiner „Beschreibung der Landwirtschaft in Westphalen und Rheinpreußen“ von 1836 deutlich zum Ausdruck gemacht. Umso mehr erwuchs daraus die Notwendigkeit der allgemeinen und fachlichen Bildung, namentlich dem „platten Land“. Das brachte eine Generation von Landpriestern wie Altstädter Kaplan Anton Krekeler 1885 endlich auf den Punkt mit der Gründung von beruflichen Schulen. Die Notwendigkeit um Anschluss zu halten an die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung war ein weiteres wichtiges Argument.

 

Nach dem Durchlauf von mehreren Jahrgängen der Landwirtschaftlichen Winterschule in verschiedenen Warburger Lokalen wurde 1889 ein eigenes Schulgebäude an der Landfurt errichtet und später erweitert um ein Wirtschaftsgebäude, um ein Internat und eine Obstverwertungsstation. Die Gründungswelle von Landwirtschaftsschulen hatte 1980 im Sauerland begonnen. 

Ab 1899 kamen Lehrer und Lehrplan in die Obhut der neu gegründeten Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe und ab 1903 wurde das Thema Weiterbildung forciert durch den Verein ehemaliger Schüler.

 

In den 1920-er Jahren kam es zu einem Aufschwung des Ausbildungswesens in der Landwirtschaft:

  • 1922 Schulneubau am alten Bahnhofsweg
  • 1927 Erweiterung der Fachbildung für Gärtner und Hauswirtschaft

 Ab 1933 wurde stark weltanschaulich unterrichtet, die Theorie von Blut-und-Boden und die der arischen Volksgemeinschaft waren die neue Grundlage in den „Bäuerlichen Werkschulen“, so die neue Bezeichnung der Schule nach der Gleichschaltung des Bildungswesens und aller Lebensbereich im Nationalsozialismus.

 

Nach einem Notunterricht für zwei Jahrgänge und zwei Jahren Ausfall im Zweiten Weltkrieg wurde bereits 1945 der normale Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen und neue Lehrpläne eingeführt.

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel in den Jahren des Wirtschaftswachstums der 1950-er Jahre erforderte bald empfindliche strukturelle Veränderungen im Sektor Landwirtschaft. Ein Jahrzehnt durchgreifender Veränderungen zur Anpassung an den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt setzte ein. Die Ausbildungsinhalte wurden um Buchführung, Marktwirtschaft und Agrarpolitik erweitert. Die moderne Landwirtschaft auf ökonomischer Grundlage war auch in den Lehrplänen angekommen. 1970 wurde die Ganzjahresschule eingeführt.

 

Die personelle Schrumpfung des Sektors Landwirtschaft war so stark, dass 1971 die 192 die letzten Unterrichtsjahrgänge stattfaden mussten. Die Tabelle Schülerzahlen von 190/61 startet mit 65 Personen in drei Klassen und endet mit 34 im letzten Schuljahrgang 1971/72.

Nach 86 Jahren war der wegweisende Schulstandort Landwirtschaft in Warburg Geschichte. Viele Absolventen hatten damals zusätzlich die Meisterprüfung abgelegt und waren umfassend auf die Herausforderungen vorbereitet. Hinzu kam, dass die meisten Warburger Betrieb einen Vorteil bei den Eigentumsflächen vorweisen konnten und der Zuckerrübenanbau eine sehr gute Einkommensquelle wurde.    

 

Nach der Schulschließung 1971gingen die Schüler und Schülerinnen in wieder in steigender Zahl vor allem nach Brakel, dem neuen ‚Mekka der landwirtschaftlichen Bildung‘ mit dem 1983 neu eingeführten zweiten Fachschuljahr als Höhere Landbauschule.        

Die jeweiligen Leiter und Lehrer der ehemaligen Schule Warburg werden für ihren Einsatz namentlich gewürdigt. Denn durch deren Präsenz und den persönlichen Einsatz wurde fachlich und menschlich viel erreicht. Das möge auch für die kommende Generation zustreffen, schreibt Dr. Blomeyer im SAchlussatz.  

 

 Festschrift zur 100-Jahrfeier der Landwirtschaftsschule Paderborn 1985, S. 5-12

Aus dem Beitrag von Dr,. Arwed Blomeyer