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Ein Paukenschlag ist das Projekt  Offensive Nachhaltigkeit 2016-20130 des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV). Im Alleingang führt der Verband neue Zielsetzungen ein. Das Signal ist eindeutig:

„Wir sind zu Veränderungen bereit. Wir stellen uns unserer besonderen Verantwortung für Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere. Wir möchten die verlorene Akzeptanz und das Vertrauen der Gesellschaft wieder zurück zu gewinnen.“

Ausgangspunkt ist ein durchgreifender Wertewandel der Gesellschaft (oder des Handels) und die hohen Ansprüche vieler Menschen an die Landwirtschaft. Tierschutz geht über alles. Das Entthornen von Rindern, das Schwanzkupieren bei Schweinen, das Schnabelkürzen bei Hennen und die Katration von männliche Ferkel  sind ein Eingriff in die Unversehrtheit der Lebewesen und fügt ihnen Schmerzen zu. Gefragt sind jetzt ganz neue Wege, wie man sich dem neuen Ziel nähert.

Eine Arbeitsgruppe im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband hat die Papiere erarbeitet und schließlich mit mindestens 80-prozentiger Zustimmung der 20 Kreisverbände in den Katalog mit aufgenommen.

Die „Offensive Nachhaltigkeit“ ist inhaltlich und zeitlich offen angelegt, das heißt, es kann immer wieder nachjustiert werden. Doch ganz konkret sollen bis zum Jahr 2030 bestimmte Projekte in der Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltung, im Pflanzenbau, im Umweltbereich sowie im Sozialsektor umgesetzt werden.

Die Offensive hat begonnen. In den örtlichen Winterversammlungen ist es Thema NR. 1 und führt, wie in Brakel am 23.11.2016 schon zu eindringlichen Diskussionen. Von ungerechtfertigter Selbstkritik bis zur Furcht vor weiteren Vorschriften, die die kleineren Tierhalter vollends aus dem Rennen werfen. Aber auch die Einsicht, wir wollen es versuchen. Und in die Liste für einen Fachausschuss haben sich viele eingetragen.

Beispiele aus den Visionen gefällig?

  • Bis 2030 sind 50 % Rinder genetisch hornlos.log wlv

  • Der Weidegang ist Bestandteil der Milchviehhaltung.

  • Das routinemäßige Kürzen von Schwänzen bei Ferkeln ist beendet.

  • Tiergesundheit und Tierverhalten sind wesentliche Merkmale der Zucht.

  • Der Körnerleguminosenanteil ist gegenüber 2016 deutlich gesteigert.

  • Das Artensterben ist gestoppt.

  • Die Bewirtschaftungsgrenzen werden überall eingehalten.

Das sind klare Versprechen, die fachlich begleitet werden, inwieweit sie 1:1 umgesetzt werden können.


Ein kleiner Nebeneffekt und für Nichtfachleute verwirrend ist, dass wir uns an neue Begriffe gewöhnen müssen wie

Masteber / Hornlosbulle /  Tierindikator / Ringelschwanzprojekt / Caudophagie usw.