Die Zuckerrübe ist die Königin der Feldfrüchte


- Sie ist eine anspruchsvolle Frucht und verlangt sehr guten Boden

- Der Anbau erfordert Fingerspitzengefühl

- Sie hat über lange Zeit vielen Betrieben eine sichere Basis gegeben

- Sie ist von großem technischen und züchterischen Fortschritt begleitet

- Sie erfordert ein hohes Maß an Organisation und Zusammenarbeit zwischen Anbauern und Fabrik

 
Anbau und Ernte der Zuckerrüben

Zuckerrüben sind eine  Sommerkultur. Sie werden ab März in feinkrümeligen Boden „gelegt“, d.h. als Einzelkeimling im Endabstand gesät. Der Reihenabstand beträgt 45 cm, die Ablageweite 18-20 cm. Daraus entwickeln sich ca. 85.000-90.000 Rübenpflanzen je Hektar. Das Massenwachstum setzt ein, wenn die Rübenblätter der Reihen sich berühren, dann ist „Bestandesschluss“, so um Anfang bis Mitte Juni.  Der Zucker wird zunächst für das Wachstum verbraucht. Erst ab September, wenn die Nächte kühler werden, reichert sich der Zucker an, dann wird er auch nicht mehr „veratmet“ die nächtlichen Stoffwechselvorgänge kommen zum Stillstand. Deshalb beginnt die Ernte ab Mitte September und endet im Dezember (Januar).

Für die Ernte im Herbst ist einigermaßen gutes Wetter Voraussetzung. Nicht immer lief alles glatt: Durch Trockenheit bekam man teilweise die Rüben nicht aus der Erde, der Boden war zu hart für die Rodeorgane. Dann gab es Jahre mit starker oberflächlicher Vernässung (Schmiere), so dass einfache Roder und Erntewagen nicht auf den Acker konnten. Bis etwa 1970 gab es vereinzelt so große Problem mit der Ernte, dass teilweise Bundeswehrsoldaten zum Ernteeinsatz gekommen sind! Und die Fabrik musste herunter gefahren werden, weil nicht genug Rüben für die Verarbeitung zur Verfügung standen. Die ersten 6-Reiher-Roder (heute Standard) versanken teilweise bis zur Achse und mussten aufwändig geborgen werden.

Sogenannte Schlammschlachten auf dem Feld kommen heute praktisch nicht mehr vor, weil die modernen Roder über große Reifen und Passgang verfügen, was die Last auf eine große Aufstandsfläche verteilt.

Durch sogenannte Logistiksysteme werden heute einzelne Anbauflächen, Anfahrtswege, Roder, Mietenpflege, Lademaus, Lkw und Fabrik vernetzt und gesteuert.


Über die Zucker- und Rübenerträge

Die Kulturpflanze Zuckerrübe erlebt durch Bestandesführung, Technik, und Züchtung eine enorme Entwicklung.
Zum enormen Ertragspotential kommt eine gute Stressstabilität gegenüber Witterungseinflüssen.

  • Um 1970 brachten normale Rübenernten 40 t Rüben und 16,5 % Zucker. Die Zuckermenge lag also bei 6,5 t je Hektar.

  • Bis in um 1990 waren Erträge von 45 t Rüben und 17 % Zucker Durchschnitt. Das ergab eine Zuckermenge von gut 7 t.

  • Heute, um 2015 liefern die Felder 80 t Rüben mit 18 % Zucker. Das ergibt die Zuckermenge von 14 t.

  • Für die nähere Zukunft („2020“) werden auch 110 to Rüben mit 20 % Zucker, also 20  t/ha Zucker  für möglich gehalten.

Marktregelungen

2016 Letztes Jahr der europäischen Zuckermarktordnung

2017 Liberalisierter (Welt-) Markt

 

Verarbeitung

Die Zuckerfabrik Warburg (Südzucker) ist eine von ca. 25 Fabriken in ganz Deutschland.  Sie ist mit einer Tagesverabeitung von 5.000 t Rüben auch die kleinste. Die Fabrik in Lage (Pfeifer & Langen) erreicht 7.500 t täglich. Die Warburger Fabrik wurde 1882 gegründet, sie ist ein Aushängeschild der Region, ein großer Arbeitgeber und produziert als Besonderheit Biozucker vor der eigentlichen Saison.

Brakel besaß eine Zuckerfabrik von 1881 bis 1928. Es war damals eine von über 500 Fabriken im damaligen Deutschen Reich. Siehe Kapitel Historisches, Gewerbe.