Der Lein ist eine sehr alte Kulturpflanze. Er wurde als Öllein zur Ölgewinnung und als Faserlein oder Flachs für die Fasergewinnung genutzt. Der Flachsanbau diente hier der Gewinnung von Pflanzenfasern und der Herstellung von Leinen (Leintuch), das ja besondere Eigenschaften besitzt und in jeder Aussteuer als Bett- und Hauswäsche vertreten war.

Im 19. Jahrhundert und im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches spielte er eine nicht unbedeutende Rolle. Die Anbaufläche erreichte reichsweit über 100.000 ha im Jahr 1937. Zur Verarbeitung der Faser wurden eigene Flachswerke gebaut. Auch im Kreis Höxter gab es ansehnliche Flächen von Flachs insgesamt und damit in praktisch in jeder Gemeinde.

In Brakel gab es eine Flachsscheune auf dem Gelände Kornhaus in der Warburger Straße um 1940. Hier wurde der angebaute Flachs gesammelt zum Weitertransprot. Vom Modexer Hof ist bekannt, dass bis um 1950 Flachs angebaut worden ist.

Über den alten Flachsanbau in Brakel ist nur noch wenig bekannt.

Hinter den Annenkapelle war am Röthebach eine Röthewiese angelegt auf einer Fläche von 2,2 Morgen mit 50 Gruben. In diesen Gruben wurde der harte Pflanzenstängel mürbe gemacht, damit man an die Faser kommt. So steht es im „Ewald, Stadtgeschichte von Brakel von 1925“.
Und bei ihm steht auch, dass es eine Spinnschule für feines Garn 1838-42 in Brakel gab und vermutlich Spinnräder und Webstühle in einzelnen Häusern. 1929, bei 1100-jährigen Stadtjubiläum erinnert der Motivwagen "Brakeler Spinnstube", dargestellt vom Jungfrauen-Verein an diese Episode. Aus dem groben Leinen wurden Korn- und Kartoffelsäcke gemacht. Aus den feinen Fasern wurde Leinentuch und Bettwäsche hergestellt. Die Vielfalt von Leinen- und Säcken aus Jute, Papier usw. ist im Sackmuseum Nieheim zu bewundern.


Hier ein paar Bemerkungen zur alten Kulturpflanze Faserlein

Im April ausgesät hat Lein eine langsame Jugendentwicklung. Er blüht erst im Juli/August (nur am Vormittag!) und kann als Öllein etwa 15 bis 30 dt/ha Samen liefern. 

Alles andere als einfach ist Ernte und Verarbeitung von Flachs.  Zur Ernte im September werden die ganzen Pflanzen (mit einer Raufmaschine) aus der Erde gezogen und seitlich abgelegt. So sollen die Holzteile schon etwas mürbe werden. In mehreren Arbeitsschritten wird die Faser vom Gewebe allmählich getrennt. Dabei spielt das Einweichen in Wasser und die Röste (das Verrotten) eine große Rolle. Das Verfahren ist gewässerbelastend. Nach dem Rösten folgen Brechen, Schwingen und Hecheln. Die Schäben, die feinen Holzteile, blieben übrig. 

In den 1990-er Jahren schien es, als hätte Flachs als Naturfaser wieder eine Chance. Aber auch als Dämmstoff konnte er gegen die billigen Kunststoffe und die Importe preislich nicht mithalten. 

Hier ein Beitrag zur Flachsaufbereitung und -verarbeitung am Beispiel Welda (Weldaer Heimatblätter von 1996)