Nepomuk von Schwerz bereist um 1810 die preußischen Lande Westfalen und Rheinpreußen. Das Buch erschien erst 1836. Ein Faksimiledruck dieser Ausgabe in zwei Bänden erscheint im Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup (bzw. Bonn) ca. 1980.

 

Mit drastischen Worten und eindrucksvollen Bildern schildert von Schwerz die Rückständigkeit der Landwirtschaft in Westfalen, nachdem er vorher die schon gut entwickelte Landwirtschaft in Belgien kennengelernt hatte. Vieles schiebt er auf die noch verbreitete gemeinschaftliche Nutzung insbesondere von Weideflächen und die noch nicht befreiten Bauern, die bei Grundherren in Abgaben und Diensten standen. Die preußischen Agrarreformen greifen erst ab 1840 und bringen die Landwirtschaft voran und so harrt  die Landwirtschaft im Hochstift 25 bis 50 Jahr später als in anderen Landesteilen im alten System.

 

In seiner Analyse über die Warburger Börde schreibt er (zur besseren Lesbarkeit sprachlich angepasst):

Ein erprobter Landwirt berichtet über die Verhältnisse in der Warburger Börde:

Man muss die Hauptursache unseres verderbten Zustandes in der gemeinschaftlichen Benutzung unserer Kommunalgründe aufsuche. So unbedeutend ihre Nutzung ist, so veranlasst die von anderen Seite einzig und allein, dass der gemeine Landwirt nun und nimmer zu einem befriedigenden Ertrag auf seinen Feldern gelangen kann.

Der berste Dung wird darauf verschleppt, die Grundstücke werden nicht gehörig gedungt, kein Futter gewonnen, keine Befriedigende Ernte an Korn erzielt; die Nachteile sind unberechenbar.

 

Haltung und Ernährungszustand des Viehs

Einmal ist kein Futter für den Winter da. Doch kümmert es den Bauern nicht, solange er mit dem Dreschen beschäftigt ist. Stroh und Kaff sind alles, was sein Vieh sich wünschen darf. Endlich tritt Lichtmess ein (2. Februar, so das Dreschen gewöhnlich zu Ende geht) und nun ist wahrhaft, nach dem Sprichwort Licht in allen Ecken. Denn alles ist licht und leer, und leerer wird von Tag zu Tag der Wanst der armen Tiere. Milch, Fleisch, Kräfte gehen dahin, und zögert die gute Witterung im Frühjahr, dann kommt es in die Wirtschaft zu Allerseelen.

 

Das Vieh im Frühjahr auf die Weide kommt

Will man sich ein Unwillen und Erbarmen erregendes Schauspiel denken, so muss man sich einfinden, wenn das Vieh im Frühjahr zur Weide gebracht wird.

Von Unflat wie mit einem Panzer überzogen, mit spitz hervor ragenden Rippen und Knochen, schleichen die unglücklichen Opfer des menschlichen Unsinns mit zusammengekrümmten Leib heran, und bleiben nicht selten im Kot stecken, aus dem man ihnen hervorhelfen muss.

Der Bauer, an einen solchen Anblick gewöhnt, freut sich seinerseits herzlich, der lästigen Gäste endlich los geworden zu sein. Dass er nun weder Milch noch Butter von dem verfallenen Vieh zu erwarten hat, ficht ihn weniger an, als die Sorge, die er bisher hatte, wie er sein Vieh bis zum frischen Grün bringen sollte.

Hat er keine Butter, so isst er Speck zu seinen Kartoffel. Und ist auch dieser aufgezehrt, so würzt er sie mit trockenem Brot.  

 

In Anbetracht der Verhältnisse der Gemeinweiden fordert er eine Intensivierung durch den Anbau von Futter auf dem Feld

Der Übergang wird schwer sein. Allein, wenn ihn das physische und moralische Wohl zugleich fordert, dann ist eine vorübergehende Schwierigkeit nur eine Kleinigkeit und sich ihr unterwerfen, nur ein notwendiges Opfer. Es ordnet sich alles in der Zeit nach Zeit und Umständen. Und der Bauer wird einst die Hand segnen, die ihn, wenn auch etwas rasch, zu seinem eigenen Wohle zwingt.

Man muss Futterkräuter anbauen, wenn man keine unentgeltlich keine Weide hat. Man erhält Futterkräuter, wenn dem nachteiligen Hüten und Herumirren der Viehgattungen Einhalt getan wird. Man wird verbessern, wenn man eigentümlich besitzt, was sonst niemand angehörte.