lit maasjost 1937„Die Warburger Börde“ von Ludwig Maasjost 1937 war der erste von ca. 15 Landschaftsführern des Westfälischen Heimatbundes. Besonders zu erwähnen sind sein historischen Aufnahmen der Landwirtschaft der 1930-er Jahre. Die Fotos der Börde werden im Museum Stern in Warburg aufbewahrt und sind dort teils zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung Landwirtschaft in der Warburger Börde 2016 werden zahlreiche Fotos von ihm gezeigt.

Im Kapitel „Dorfbild“ (S. 21 f) findet sich folgende Beschreibung einer Dorfstraße mit Bauernhöfen

Die Straße ist breit. Zischen der Abflussrinne neben der Fahrbahn und der Bauflucht der Häuser dehnt sich eine angerartige Fläche, auf der Wagen, Ackergerät, selbst ganze Erntewagen Platz finden. (…) Die Hauptstraßen werden durch gerade oder winklige und schmale Seitenstraßen miteinander verbunden. Die Bauernhäuser drängen sich dicht an die Straße heran. Vielleicht findet noch ein Holzstoß, ein Pflug, ein versteckter Dorfbrunnen oder eine ummauerte Dungstätte Platz. (…) Im Frühjahr sind es die Pflüge, Eggen, Walzen und Sämaschinen, die Straßenrand und Höfe säumen, im Sommer die Hacken, Mäher , Wender und Erntewagen, im Herbst Kartoffelsiebe und – säcke, Zuckerrübenmesser und –gabeln und Fruchtwagen, und dann sind es wieder Pflug, Egge, Walze und Drillmaschine. So spiegelt das Dorfbild die Arbeit auf dem Feld wider, bis der Winter die Verbindung mit der Scholle löst und den Arbeitsorganismus auf Stall, Haus und Hof, auf Dorfscheunen, Futtersilos und –mieten einschränkt.


Der „Gutshof“ wird wie folgt beschrieben (S. 24)

Der Gutshof liegt inmitten einer Ackerflur am Kopfe einer Quelle oder am Hang einer Talung. Großräumigkeit zeichnet ihn aus. Drei, vier Gespanne ziehen hintereinander den Pflug um eine langes und breites Ackerstück. (…) Zuckerrüben und andere Früchte werden auf großen Flächen angebaut. Und auf den weiten Wiesen und Weidekämpen tummeln sich Scharen von Jungpferden und Fohlen und Rindviehherden mit einer Stückzahl von 50, 100 und noch mehr.
Wir nähern uns dem Gutshof. Vielleicht begegnet und gerade der Inspektor zu Pferde, um auf den Feldern nach dem Rechten zu sehen. Früh ruft die Gutsglocke die Arbeiter aus den benachbarten Dörfern und Weilern zusammen. Wurden früher in den Erntezeiten Polen zur Arbeit herangezogen, so arbeiten heute auf dem Gutshof nur noch einheimische Kräfte.
Wir betreten den Hofraum, der sich in einem, mächtigen Viereck vor uns ausdehnt. Ein Schwarm Tauben klatscht ab  zu den langgestreckten Scheunen und Stallungen, die, mit schweren Weserplatten belegt, den Hof auf drei Seiten umschließen. (…) Und stolz schreitet ein Pfau oder ein Truthahn die weite Fläche ab. (…) die vierte Seite gibt den Blick frei zum Herrenhaus, das oft Jahrhunderte überdauert hat. (…) Die Gutshöfe der Börde sind alt, zum Teil viel älter als die Dörfer. Ostendorf führt sie größtenteils auf die Reichsgüter aus der karolingischen Zeit oder auf Stiftsgüter von Paderborn, Neuenheerse, Corvey zurück. Nach ihm sind überhaupt die Güter erst zum Ausgangspunkt für die Entwicklung der Dörfer geworden. Zum Teil können die Besitzer ihre Namen noch bis ins Mittelalter zurückverfolgen.



„Die Börde als Wirtschaftsraum“ (S. 29 f)IMG 0509

Die Bauern der Börde haben ihren Raum gestaltet bis zum Letzten. Es gibt kein Fleckchen ungenutzter Erde auf den Ackerlandrücken, keinen Busch, keine Hecke, keinen Graben. Als Grenzsaum bleibt nicht einmal ein Rasenstreifen übrig. (…) Es gibt keine sumpfige und feuchte Stelle mehr im Ackerlande. Alle tonigen, undurchlässigen Böden sind drainiert und die Wiesenstreifen zwischen den Ackerschwellen zeigen die Pflege des Menschen. (…)

Der Bauer der Börde hält am Althergebrachten fest. Er ist jedoch fortschrittlich genug, das Neue mit wachem Auge zu verfolgen. Gute Bildungsgelegenheiten und nicht zuletzt die Güter als Lehrmeister reißen den Bauern voran.

(S. 33) Die Börde ist ein großes Ährenfeld. Trutzig und steif steht die Frucht da. Der Wind erfasst die Halme. Und dann beginnt das Wogen und Wiegen der Wellen, die unablässig über das Getreidemeer dahinrollen. Es kommt zur Blüte. Zarte Staubschleier heben sich von den Ähren ab und wehen weit in die Felder fort, in die Gehöfte und Dörfer hinein. Die Ähren sind befruchtet und schwer hängt die Frucht gen Osten.

(S. 36) Die Wiesen reichen für die Rindviehbestände nicht aus. Es wurden von jeher Rotklee und Luzerne und früher viel Esparsette angebaut. (…) Sie gehören zu den Pflanzen, die neben Raps und Bohnen in der Blütezeit einen wundersamen Duft über die Börde breiten und die Äcker zu einem summenden Bienenfeld machen.



„Der Bauer im Dienst der Erzeugungsschlacht“ (S. 37)

Die im Sinne der Erzeugungsschlacht durchgeführten Maßnahmen zeigen wirtschaftliche Umstellungen.

Maasjost berichtet von der Einführung des Rapsanbaus und den von Flachs. Diese Entwicklung ist ein Beweis für den starken Einsatz der Bauern im Dienste der deutschen Gesamtwirtschaft.

Anschließend schreibt er zur Siedlungstätigkeit im Osten des Deutschen Reiches Folgendes:

Wie die Börde ihre Produkte weit hinaus in das Reich sendet und vom Reiche wieder Aufträge annimmt, so schickt sie auch ihre Söhne hinaus an die deutsche Ostgrenze. In der Zeit von 1925 bis 1935 wurden nach den Angäben des Landratsamtes Warburg in Schlesien durch die Vermittlung der Siedlungsstelle allein 132 Siedler angesiedelt. (…) Ihre Höfe, die die mittlere Größe von 60-100 Morgen haben, füllen die Siedlungsleere an der Ostgrenze und bilden das beste Bollwerk gegen die bevölkerungspolitische Not des deutschen Ostens.

So steht diese kleinen raumeigenen Landschaft im Südosten Westfalens weithin in Verbindung mit dem Reiche. Sie ist ein winzige, aber wichtige Zelle im Gesamtverband Vaterland-Volk. Sie ist eine nährende Zelle, die vielen Arbeitern und stadtgebundenen Menschen das Brot gibt, die einen gesunden Bauernstand heran zieht, der seinen kraft und sein Können im eigenen Raume entfaltet und dazu noch tüchtige Söhne hinausschickt an die Grenze des Reiches zum Segen des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft.