Der Wochenblatt-Beitrag in Heft 28/2005 schildert Gisbert Strotdrees den Fall eines aus Schlesien stammenden Landwirtes, der das Glück hatte, 1959 einen Hof in Waltrop zu pachten (und später zu kaufen).

Um den Zuspruch zu erhalten musste der Neusiedler einen "Flüchtlingsschein A" vorlegen und den "Siedlereignungsschein". Dieser belegte, dass die Familie einen Hof im Osten besessen hatte. Das Hofinventar musste gekauft werden. Jedes Werkzeug, Geräte und Maschinen wurden taxiert und bezahlt. Ebenso die Futtervorräte, Saatgut und Vieh.

Dafür gab es vergünstigte Siedlerkredite und Förderprogramme. Nach Schätzungen haben knapp 5 % der "Flüchtlingsbauern" wieder eine Vollbauernstelle erhalten. Im Jahr 1960 gab es immerhin 2.535 Flüchtlingsbauern in NRW, 1.600 davon mit eigenem Landbesitz.

In Brakel selbst wurden Neusiedlerstellen als Weiler oder Bauerndörfergeschaffen, so Charlottenhof (2), Brakel-Helle (4) und Hainhausen (6). Im Kreis Höxter finden sich weitere Siedlungen in EichholzSchönthal und Deppenhöfen, Hardehausen u. a. Etwa 80 Siedlerstellen sind im ganzen Kreis überwiegend für Heimkehrer aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen entstanden. Im Kreis Paderborn sind Eilern (15 Hofstellen aus dem Gut Eilern des Grafen von Westphalen), und Herbram (Graf von Westphalen)entstanden. Die 17 Höfe von  Elisenhof (Vorwerk der Domäne Dahlheim) sind um 1923 entstanden auch im Rahmen einer Bodenreform. 


Die Flächen stammen aus der Landabgabe der Bodenreform, bei der große Gutsbetriebe "halb freiwillig" Land an die "Siedlungsgesellschaft Rote Erde" bereit hatten. Die Siedlerstellen waren mit 12-15 ha Land ausgestattet. Grundlage bildete das Flüchtlingssiedlundgesetz von 1949. Für den damaligen Landwirtschaftsminister und späteren Bundespräsidenten Heinrich Lübke waren es schöne Vorzeigeprojekte. In Hainhausen nahm er auf dem Hof Rehberg 1953 persönlich die Einweihung vor der Siedlung vor.